A Travellerspoint blog

Lago Titikaka Nebenamazonasfahrt in Peru/Brasilien/Bolivien

Ueber Puno, Puerto Maldonado, Lago San Vicente, Chivé, Cobija, La Paz und Copacabana

sunny 30 °C

Hallo lieber Leser!
Ich entschuldige mich bei allen, die auf einen weiteren Eintrag gewartet haben. Aus den paar Tagen wurden jetzt 9 Monate! Ich hatte turbulente letzte Wochen in Suedamerika und deshalb habe ich da den letzten Eintrag nicht veroeffentlicht weil ich keine Bilder hochgeladen habe glaube ich.
Naja den Eintrag habe ich da schon geschrieben, nur die Bilder haben gefehlt. Die habe ich jetzt mal hochgeladen.
Ich wohne jetzt seit einem halben Jahr in Berlin und studiere technische Informatik an der TU-Berlin. Gefaellt mir bisher ganz gut eigentlich, auch wenn ich die TU Berlin nicht so toll finde irgendwie.. Evtl. kommt das ja noch ;)
Berlin selber ist jedoch super, die Stadt mag ich sehr gerne auch wenn ich den ein oder anderen aus Koeln vermisse.
Wenn ich mir das hier alles so durchlese bekomme ich riesiges Verlangen, zurueckzugehen nach SA! Naja erstmal muss ich hier mindestens 1.5 Jahre studieren bevor ich ins Ausland kann um weiterzustudieren. Und da habe ich einige Moeglichkeiten. U.a. SA! juhu! ;)
Ich wollte noch meinen Eltern ganz herzlich danken weil ohne euch waer diese Reise nicht moeglich gewesen. VIELEN DANK =)
Danke auch fuer alle Mails die ihr alle mir geschrieben habt. Wenn ihr noch Fragen oder was auch immer habt dann schreibt mir. Am leichtesten ist es, sich hier registrieren und mir dann zu schreiben oder in skype bin ich jo.da.wi oder in icq 1489 65280. meine alte email adresse ist tron666 (a) t-online.de. Da bekomme ich aber ganz ganz viel Spam drauf, ich schau da fast nicht mehr rein.
Ich finds toll dass so viele meinen Blog gelesen haben. Vielen dank an alle also nochmal an alle die mich auf meiner 15000 km (Luftlinie) Reise mit Bus und Boot begleitet haben. Es gab bisher immerhin ueber 33000 page impressions! =)
Das ist also mein letzter Eintrag:
Ich hab beim letzten mal ganz vergessen, euch was ueber Machu Picchu selbst zu erzaehlen! Also Machu Picchu wurde vor ca. 500 Jahren gebaut, is also noch gar nicht so alt und deswegen steht da noch relativ viel. Also Gebaeude, Terassen auf denen Agrarkultur betrieben wurde =), ein Sternbeobachtungshaus (wie heisst das nochmal?) und noch weitere Sachen. Die Spanier haben Machu Picchu niemals gefunden, weil es ja schon relativ abgelegen ist bzw. war. Es gibt mal wieder keine richtigen Absperrungen und man kann ueberall hin, auch in die Gebaeude (die aber schon Ruinen sind). Wen es intressiert sollte http://de.wikipedia.org/wiki/Machu_Picchu lesen. Die Bilder sind aussagekraeftiger als Worte =)
Nur ein Beispiel:
l__machu_p..ginning.jpg
Nach dem Machu Picchu Ausflug waren wir dann noch ein paar Tage in Cuzco und haben unter anderem ein langweiliges Inca Fest gesehen. Ich habe jetzt grade zufaellig erfahren dass sogar Bill Gates dabei zugeschaut hat.. Haben ihn jedoch nicht gesehn..
Danach ging es dann weiter nach Puno, eine Stadt auf der peruanischen Seite des Lago Titicaca bzw des Titicaca Sees. Kurze Beschreibung geklaut von http://de.wikipedia.org/wiki/Titicaca-See:
Der Titicacasee (spanisch: Lago Titicaca) ist Südamerikas größter Süßwassersee; mit einer Fläche von 8.288 Quadratkilometern ist er fast 13 Mal so groß wie der Bodensee. Er befindet sich auf dem Altiplano, der Hochebene der Anden; der westliche Teil des Sees gehört zu Peru, der östliche zu Bolivien.
Der Titicacasee ist das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Er liegt auf einer Höhe von 3810 m über dem Meeresspiegel, ist 194 km lang, 65 km breit und hat eine mittlere Tiefe von 140 bis 180 m, eine maximale Tiefe von 280 m (obwohl einige Einheimische behaupten, er wäre bodenlos). Mehr als 25 Flüsse fließen in den Titicaca See. Es gibt eine Vielzahl großer und kleiner Inseln, von denen einige Relikte der Inka-Kultur beherbergen, z. B. die Isla del Sol.
Eine wichtige Nahrungsquelle für die Bevölkerung am Titicaca-See stellt der Fischreichtum dar.
Zu einer der Attraktionen des Titicacasees gehören die schwimmenden Inseln der Uros. Ursprünglich begannen die Uros schwimmende Inseln zu bauen, um sich zum Beispiel vor den kriegerischen Inkas zu schützen oder zu verbergen. Die Inseln bestehen aus kreuzweise aufgebrachten Lagen aus Totora-Schilf. Immer wenn ein Angriff drohte, wurde die Verankerung gelöst und die Uros zogen sich mit den Inseln auf den See zurück. Das Totora-Schilf ist eine wichtige Lebensgrundlage. Die Boote für den Fischfang und die Matten für den Bau der einfachen Hütten bestehen daraus. Auch in der Ernährung spielt es eine Rolle.
Die Uros sind sehr stolz auf ihre traditionelle Lebensweise und lehnen es strikt ab, auf das Festland überzusiedeln. Allerdings haben sie den Tourismus als Einnahmequelle entdeckt und erlauben heute Besuchern die nachgiebig-schwankenden Inseln zu besuchen, was dazu führt, dass die Ursprünglichkeit leider zuweilen der Anbiederung an Touristen weichen muss. (Ende geklauter Part)
Und Damian und ich sind natuerlich solche Touristen! Also haben wir direkt eine Tour gebucht und frueh morgens ging es los, erstmal zu den schwimmenden Inseln.

Den Einwohner dort geht es im Vergleich zu den meisten Peruanern sehr sehr gut, sie bezahlen keine Steuern, haben Krankenhaus und Schulen und eine feste Einnahmequelle durch den Tourismus. Die meisten sprechen mehrere Sprachen fliessend! Unser Guide kommt aus einem sehr kleinen, abgelegenen Dorf (3 Stunden Bus und dann nochmal 3 Stunden Pferderitt) und er konnte 8 Sprachen fliessend sprechen, inklusive deutsch!
Auf den schwimmenden Inseln zu laufen fuehlt sich komisch an, man sinkt bei jedem Schritt einige Zentimeter ein, aber man bleibt trocken =). Uns wurde dann erklaert, wie das funktioniert mit den Inseln etc. Wenn die Leute da Fussball spielen wollen, dann schippern sie 2 Inseln zusammen und haben quasi ein Stadion. Wenn sie sich streiten dann trennen sie die Insel in 2 Haelften. Es gibt zig Inseln, die ca so aussehen:
l__schwimmende_inseln.jpg
Verdammt jetzt ist der beschissene Internetexplorer abgekackt und ich muss nochmal vieles neuschreiben. Ich denke jeder von euch hat und benutzt Firefox oder? Wenn nicht dann schnell installieren und der Internetexplorer fuer immer vergessen!
Ich probier nochmal alles zu schreiben, diesmal besser (tnx Paula ;))..
Die Eingeborenen probieren einem dann alles moegliche anzudrehen, sehr kommerzialisiert alles.
Danach sind wir auf die Isla Taquile gefahren, dort leben die Eingeborenen (Guide:"3000", Wikipedia: "1600") den wahren Kommunismus! Z.B. sind dort ca. 10 Restaurants fuer Touristen und jede Woche wechselt der Besitzer, das ganze Geld ist fuer die Community. Jeden Sonntag gibt es ein Treffen der Familienoberhaeupter in denen dann alle Probleme besprochen und geloest werden. "Wenn man ein Problem mit einem Eingeboren hat dann hat man es direkt mit 3000 Menschen zu tun" (Guide).
Die "Praesidenten" von der Insel wechseln staendig, jeder verheiratete Mann darf einmal. Es ist jedoch keine Macho Kultur (glaube ich), die "Taquileños" stricken sogar:
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Die Ehepartnerfindung ist fuer uns westliche (von hier aus oestliche) Gewohnheiten sehr komisch:
Jede Frau und jeder Mann hat 3 (?) Bueschel von Stoff mit verschiedenen Farben. Eine Farbe heisst "ich will dich" bzw. "ja", eine heisst "nein" bzw. "ich bin traurig (ich habe keinen Mann)".
Es gibt 3 (?) Tage im Jahr, an denen eine Art Party stattfindet in der die Frau zum Mann kommt und ihm heimlich den Bueschel "ich will dich" zeigt. Daraufhin zeigt der Mann den Bueschel "ich will dich auch" oder "ich will dich nicht" hahaha alles ganz heimlich.
Wenn der Mann dann "ich will dich nicht" zeigt, traegt die Frau am naechsten Tag ihren "ich bin ungluecklich" Bueschel und jeder kann sehen, dass sie keinen Mann hat. Sie muss dann bis zur naechsten Party warten.
Wenn Mann und Frau sich jedoch einig sind dann wird das irgendwann verkuendet und Frau und Mann muessen erstmal ein oder mehrere Jahre zusammen Leben. Wenn das Zusammenleben klappt wird geheiratet, wobei es keine Trennung mehr gibt, es ist ein wahrer Bund fuers Leben. Der Mann muss dann ein Herrscher der Insel werden, aber nur fuer kurze Zeit.
Wenn es nicht klappt beginnt die Prozedur von vorne.
Es kann sein dass nicht alles richtig ist, weil das schon mehrere Wochen her ist und ich das "from scratch" schreibe, ich habe mir dummerweise keine Notizen gemacht. Die Tour ist auf jedenfall empfehlenswert und interessant.
Auf dieser Tour haben wir bzw. ich dann vier hippige Franzosen kennengelernt. Das Problem war, dass sie genausowenig Englisch konnten wie Damian Spanisch kann und sie konnten ausschliesslich genausogut Spanisch wie Damian ausschliesslich Englisch kann, somit war keine direkte Unterhaltung moeglich. Die Atmosphaere war direkt wunderbar, mit und ohne Sprache.. Sie haben uns dann vorgeschlagen mit ihnen in den Amazonas-Dschungel an die Grenze zu Brasilien zu gehen, dort wollte dann eine von ihnen die Grenze zu Bolivien ueber Fluesse ueberqueren. Ich war natuerlich direkt dabei, das ist weitab von der Gringoroute und ziemlich abenteuerlich =)
Das hiess aber auch: 2 Tage Busfahrt und einen ungewissen Ausgang, im Guidebook wird das nicht empfohlen und "es kann bis zu Wochen dauern, bis man ein Boot findet und solange steckt man dann dort fest". Herrlich! ;-)
Damian war nicht so begeistert. Dazu kommt dass es schon seit Wochen kleinere Spannungen gab, die die minderen und unbedeutenden Sachen des Lebens anbetraf haha. Also es war nicht schlimm, aber es ist klar, dass es nach ueber 2-Monaten-24-Stunden-aufeinander-abgehaenge zwischen Damian und mir Probleme geben muss. Streit war meines Erachtens nach immer gegeben wenn ich mich ueber Sachen aufgeregt habe, die der Damian als nicht aufregenswert empfunden hat. Ich sage weder das Damian noch dass ich recht habe, ganz im Gegenteil muss ich grossen Respekt zollen an Damian und mich, dass wir es so lange miteinander ausgehalten haben. Es gibt Leute mit denen ich es keine 2 Minuten aushalte!
Also war der Zeitpunkt des Abschieds gekommen, noch am gleichen Abend bin ich mit den Franzosen nach Juliaca gefahren, um dort einen Direktbus nach Puerto Maldonado (siehe Map am Anfang) zu nehmen. Gab es natuerlich nicht. Also wieder zurueck nach Cuzco (ich sag doch die Stadt hat etwas Magisches und Anziehendes an sich). Dort sind wir dann um 3 Uhr morgens in klirrender Kaelte angekommen. Budgettravelln heisst dann natuerlich, dass man am Busterminal ausharrt bis die Schalter oeffnen. Nach 3 eisigen Stunden haben wir dann erfahren, dass der Bus um 16 Uhr abfaehrt. Prima wenn man nicht geschlafen hat.
Dann kommt mal wieder einer von den Zufaellen: Wir chillen im Delirium auf dem Plaza de armas auf einer Bank als ich auf einmal "JONAS???" hoere. Vor mir steht eine Israelin und nach 10 Sekunden erkenne ich sie: Ich habe sie Ende Dezember in Nord-Kolumbien auf einem Trek kennengelernt! und jetzt ueber ein halbes Jahr spaeter sehe ich sie zufaellig wieder, weil ich zufaellig in Cuzco Zwischenstation machen muss. Krasser Zufall, aber es gab nicht viel zu reden und deswegen weiss ich nicht was fuer eine Bedeutung dieser Zufall hat.
Also irgendwie habe ich es geschafft, bis 16 Uhr durchzuhalten und die ruckelige 16 Stunden Busfahrt nach Puerto Maldonado durchzuschlafen.
Dort angekommen war es wie erwartet: 30 Grad schon frueh morgens, ein riesiger exotischer Markt, keine Touris weit und breit, Einwohner schauen uns komisch an und es ist kein Problem ein billiges Hotel zu finden (naja ok 4 Dollar/Nacht aber is schon ok, dafuer hatten wir einen Ventilator).
Die Plaene waren:
- Wir besuchen einen Schamanen.
- Eine Dschungeltour mit einem Fischermann der sich einigermassen mit dem Dschungel auskennt. Wir bezahlen Sprit, Essen, Trinken und Zeitaufwand.
Danach trennen sich die 3 Franzosen von Juli und mir, sie gehen zurueck nach Lima um nach hause zu fliegen und wir probieren irgendwie mit Booten ueber die bolivianische Grenze zum naechsten Dorf zu kommen, wo es eine Strasse bzw. wo es PKWs gibt (ja, das ist ein Unterschied hier).
Also sind wir erstmal zum Hafen um uns zu informieren. Der erste Kaptain den wir angesprochen haben schien direkt richtig. Er sei ein Guide und koennte mit uns durch den Dschungel und uns alles moegliche zeigen und uns dann an der bolivianischen Grenze absetzen bzw. sogar mit uns ueber die Grenze zum naechsten Dorf fahren, fuer insgesammt 100 Dollar fuer 3 Tage. Alles kein Problem! Von dort aus sei es dann 17 Stunden bis nach la Paz. Wunderbar!
Aber man ist hier in Suedamerika, was sich so gut anhoert hat dann meistens einen Haken. Am Abend stellte sich dann heraus, dass er leider keine Zeit dafuer hat, es tut ihm sehr leid. Also am naechsten Tag wieder zum Hafen, dort kommt er dann angefahren mit einem etwas nuschelnden Typen, der meint er koennte das mit uns machen. Aber wir muessen mehr bezahlen, ca 150 Dollar. 30 Dollar fuer jeden. Kein Problem fuer 3 Tage Dschungel. Der erste Kaptain stellt sich dann wirklich als sehr nett und hilfsbereit heraus, er faehrt mit uns zur Immigration wo wir unsere Ausreisestempel bekommen, wir kaufen zu essen ein, er findet einen Schamanen in der Naehe, eine Sitzung soll in dieser Nacht stattfinden und dann geht es morgens um 7 Uhr los in den Dschungel, 3 Tage Tour und danach auf nach Bolivien.
Um 6 Uhr abends treffen wir uns dann mit dem Kaptain, der uns fahren will. Zelt kann er klarmachen, aber es gibt ein Problem: Man muss Steuern bezahlen um aus Peru mit dem Boot auszureisen und in Bolivien muss man Steuern bezahlen um mit dem Boot reinzukommen. Dann muss man nochmal diese Steuern bezahlen, um wieder zurueck zu kommen. Juli ist direkt verzweifelt, aber wir beschliessen es trotzdem zu probieren und die Grenzleute (fuer eine "Kommision") irgendwie zu ueberreden uns durchzulassen, ohne das zu bezahlen, es waeren ja nur 3 Stunden bis zum naechsten Dorf mit Strasse.
Nach einer komischen "Schamanensitzung" ging es dann direkt um 7 Uhr morgens los. Typische suedamerikanische Probleme: Wir checken ob unser Fischermann alles dabei hat. Die Zelte hat er nicht. Er weiss nicht wo es Zelte gibt, ganz anders als gestern besprochen. Also muessen wir noch Zelte & Schlafsaecke organisieren.. Um 11 Uhr gehts dann nach einigem Stress los.
Aber dann kamen echt eine wunderbare Fluss/Dschungellandschaft alle 500 Meter haben wir ein Krokodil bzw. Kaiman (?) und einen Haufen Schildkroeten gesehen dazu der dichte Dschungel und kein Mensch weit und breit.
l__boot_dschungel.jpg
Irgendwann sind wir dann von dem grossen Fluss in einen kleinen Nebenfluss gefahren, der zum Lago Vicente fuehrt.
Wir mussten dann zu einem Militaer/Polizeicheckpunkt mitten im Dschungel:
l_polizeis..chungel.jpg
Wir wurden absolut freundlich empfangen, die Leute da waren echt ziemlich froh mal wieder Menschen zu sehen, haben uns kalten Refresco spendiert und da unser Fischermann die Angeln verpeilt hat (er war halt echt mh.. ein bisschen dumm?) hab ich gefragt ob sie uns nicht Angeln leihen koennten, wir kommen ja eh bald zurueck (also die anderen). Haben sie direkt sehr gerne gemacht und wir hatten 4 Angelschnuere =) Nach kurzem Gerede ueber das was sie so machen (nichts) ging es dann weiter, wir wollten an einem Strand uebernachten. Aber da wir so spaet losgefahren sind wurde es dann schon dunkel (in Lateinamerika wird es IMMER schon um ca. 18 Uhr dunkel).
Also is natuerlich die Kacke am dampfen weil man nachts im Dunkeln auf dem Fluss nicht fahren kann, dazu kam noch dass der Mond immer etwas spaeter aufgeht. 7 Leute koennen in diesem kleinen Boot auch nicht wirklich schlafen, abgesehen davon dass man alle 5-10 Minuten einen Stich bekommt und den Rest der Zeit damit beschaeftigt ist, Moquitos zu vertreiben. Aber wir hatten mal wieder Glueck und 10 Minuten weiter Flussabwaerts war ein Boot festgemacht und es gab einen kleinen Pfad in den Dschungel. Nach kurzem Taschenlampe-auf-das-Boot-gerichte kam direkt ein ueber-freundlicher Peruaner ans Ufer und meinte wir koennten bei ihm uebernachten, er haette noch ein weiteres Haus. Nach 5 Minuten fahren mit Taschenlampenunterstuetzung waren wir dann an einem weiteren Steg an dessen Ufer erstmal zwei Krokodile/Kaimane gefluechtet sind. Wir haben dann erstmal die Boeschung abgesucht aber es waren keine anderen zu finden. Ich muss dazu sagen, dass es nicht sehr gefaehrlich ist weil echt alle Krokodile/Kaimane fluechten, glaub ich.
Also haben wir alles aus dem Boot ausgeladen und haben eine relativ gut in Schuss gehaltene Holzhuette vorgefunden (alles war ein bisschen vermodert, aber intakt). Wir hatten sogar eine Feuerstelle zum kochen! Automatisch ging es dann, so wie es die Traditionen vorsehen: Die Jungens gehen Holz im Dschungel suchen, die Maedels bereiten das Essen vor. Das war dann schon ziemlich unheimlich, der Mann, dem die Huette gehoerte, meinte wir muessten ziemlich auf Schlangen aufpassen. Didier und ich haben dann lange Stoecke genommen und vor jedem Schritt auf den vollstaendig ueberwachsenen Boden geklopft waehrend der Fischer und der Mann Wasser geholt haben. Nach kurzer Suche haben wir einen toten, trockenen (Trockenzeit) Baum gefunden und ihn mit der Axt gefaellt. Wunderbar! Der Baum war super leicht, irgendwie total zerfressen aber er hat wunderbar gebrannt.
Ich habe mich dann ein bisschen gewundert woher das Wasser kommt (2 Eimer voll mit einem etwas duesterem Wasser) aber die beiden haben uns versichert, dass das absolut trinkbares Wasser ist, also haben wir auch damit gekocht. Das Essen war wunderbar, das Zelteaufbauen nicht (die Huette war zu klein fuer alle). Es ist immer so komisch wenn man keine Elektrizitaet ausser der Taschenlampe hat, der Koerper denkt, dass es super spaet ist. Der Sternenhimmel war voller Sternen und der Sound des Dschungels war genauso wie man es in Dokumentationen hoert bzw. wie man sich das vorstellt: Ein Zirpen, ein Bruellen, ein Rascheln, ein Vogelsound, Wasser und ich weiss nicht was. Aber ich war zu muede um lange zuzuhoeren/zuzuschaun und bin so gegen 12 eingeschlafen.
Am naechsten morgen so gegen halb 6 bin ich augewacht von diesen Geraeschen, nur dass sie diesmal wesentlich lauter, intensiver waren. So unglaublich viele Voegel mit exotischem Gezwitscher! Wir haben den Sound aufgenommen, haben aber die Franzosen, ich hoffe die schicken mir den!
Wir haben uns dann entschieden, in dieser wirklich idealen Huette weiter zu bleiben und den Strand zu "skippen". Die ganze Zeit haben alle Spanisch gesprochen, echt super nett. Ich weiss wie schwer das ist, sich nicht mit der eigenen Sprache zu unterhalten auf Ruecksicht auf nur einen (mich ;)). Aber war ja auch eine Uebung fuer alle =)
Wir sind dann zu einem Dorf gefahren. Absolut abgelegen im Dschungel aber absolut christianisiert und es gab sogar ein kleines Geschaeft in dem ich die wunderbarste Nuss in meinem Leben gegessen habe. Diese Nuesse heissen "Castañas" und sind ein bisschen milchig und schmecken einfach so herrlich! ich hab mir erstmal ein Kilo davon gekauft, sie sind ueberall sehr teuer, selbst hier, wo sie die Castañas ernten kostet das Kilo 2 Euro! Aber dieser Luxus musste sein.
Naja wir haben dann Angelhaken gekauft weil die Piranhas die Schnuere so schnell durchbeissen. Danach ging es dann zu einem "besonders idealen" Ort zum fischen (O-Ton Fischer) wo wir dann erstmal eine halbe Stunde nichts gefangen haben wobei auf dem ganzen Fluss Fische in die Luft gesprungen sind. Nur die Piranhas waren da.
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Und es ist wirklich so wie im Film: Wenn man den Koeder ins Wasser schmeisst spuert man nach 2-10 Sekunden ein Zucken und sieht viele viele kleine Fische, die den Koeder innerhalb von Sekunden auffressen. Wir hatten aber leider grosse Angelhaken und Piranhas sind nicht so gross, deswegen haben wir nichts gefangen. Ich hatte aber einen kleinen Angelhaken gekauft und mit dem hat nach 10 Sekunden in den Fluss halten ein relativ grosser Piranha angebissen.
Vor 2 Jahren sind der Damian und ich oefters mal nachts angeln gewesen und mir war es damals sogar zuviel, den sich bewegenden Wurm auf den Angelhaken aufzuspiessen. Dieses mal habe ich den Fisch ohne zu zoegern mit der Machete gekoepft. Die Zeiten aendern sich =)
Nach 4 weiteren Piranhas waren dann saemtliche kleine Haken abgebissen :( und wir mussten das Angeln nicht sehr erfolgreich beenden. Echt schade..
Dann ging es ans ausweiden und kochen, Piranha mit Reis schmeckt eigentlich ganz gut. Am Nachmittag sind wir dann nochmal raus, vielleicht sieht man ja mal Affen oder so. Und abends sollen unglaublich viele Voegel an einer Insel sein. Wir alle waren aber ziemlich erschoepft und sind mitten auf dem Fluss eingeschlafen. Inklusive der Fischermann! Wir sind dann nach einer Stunde aufgewacht, das Boot im Schilf und sind muehsam wieder auf den Fluss gekommen. Der Fischermann war echt ne Niete hehe
Am Abend waren wir dann bei dieser Insel und es waren echt unglaublich viele, grosse Voegel dort, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Didier hat alles auf Video.
Jo und dann is noch so allerhand kleines passiert, ich will mich und euch nicht damit langweilen, falls ich das nicht schon gemacht habe =)
Also dann ist der Tag des Abschieds gekommen, Juli und ich wollten mit den beiden Peruanern ueber die Grenze, nur eine Stunde weit nach Bolivien rein weil dort das naechste Dorf mit Strassenanschluss lag. Und dafuer wollten wir natuerlich nicht hunderte Euros bezahlen, also war der Plan, den Grenzsoldaten ein bisschen Geld zu geben oder so, damit sie mal fuer 2 Stunden beide Augen zudruecken :P
An der Grenze angekommen wurden wir erstmal sehr nett empfangen, die Soldaten spendeten kalte Sprite und fragten, ob wir nicht was von ihren Vorraeten kochen wollen/koennen!
Das war natuerlich sehr nett und so, aber die Peruaner wollten vor Sonnenuntergang wieder im Hafen sein und wir wollten auch weiter. Die Soldaten sagten uns, dass es evtl. noch auf der peruanischen Seite moeglich ist, aber die Bolivianer wollten auf jedenfall Geld sehen, die "normale" Steuer (50 Dollar oder so). "Andere Boote, die die Grenze passieren, kommen leider nur alle 2-3 Tage. Aber wenn ihr wollt koennt ihr gerne hier bei uns solange warten". Was macht man da? Die Reise ueber den Landweg nach La Paz wuerde auch so 3-4 Tage dauern. (Ueber Puerto Maldonado, Cuzco, Puno und Copacabana). Waehrend wir noch ueberlegten klopfte es an der Tuer und zwei nette Peruaner wollten die Grenze ueberqueren um ein bolivianisch/amerikanisches Forscherteam abzuholen!! Mal wieder unglaubliches Glueck..
Die beiden nahmen uns dann sogar umsonst mit (das WWF hat quasi fuer uns bezahlt ;)) und an der bolivianischen Seite wurde es dann wirklich anders: Es war heisser und es gab mehr Moquitos. Vielleicht nur Zufall aber defintiv spuerbar. Wir haben uns dann mit beiden unterhalten, echt super intressant was sie machen: Tiere beobachten, in den Dschungel gehen, Kameras installieren, unbekannte Arten entdecken, Tiere schuetzen etc.etc. Wenn ich Informatik nicht so moegen wuerde, waere das auf jedenfall die Alternative.
Nach einer Stunde oder so kamen wir dann an einen Strand mit Steg. Angekommen in Chivé.
Es gab sogar mehr Haeuser als ich gedacht habe. Es gab keinen "Plaza de Armas": Im Mittelpunkt des Dorfes war ein, fast europaeischen Standarts entsprechender, Fussballplatz!
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Ein Zimmer war schnell gefunden und auf die Nachfrage: "Fahren von hieraus Busse nach Cobija?" wurde stolz geantwortet: "Ja! jeden Tag um 8 Uhr morgens!".
Ach so und wenn wir wirklich nach Cobija wollten dann muessen wir gaaanz puenktlich sein, weil sonst ist der Bus weg!
Wunderbar! Und nur 4 Stunden, es lief alles reibungsloser als gedacht. Da wir aber immer noch keine Information hatten, wie lange es von Cobija bis nach La Paz (Hauptstadt Boliviens) ist, fragten wir alle moeglichen Leute im Dorf. Es gab Auskuenfte von 3 Tagen bis "Bis nach La Paz? aaaalso, das ist ein weiter Weg! Es dauert mit dem Bus 4 Tage und 4 Naechte! Also insgesamt 8 Tage!" (Zimmervermieterin)
Nach dieser Auskunft sah ich keinen Sinn mehr, weiterzufragen.
Der Dorfsheriff persoenlich kam dann zu uns und brachte uns in sein Holzhuetten-Buero, wo wir uns registrieren mussten. Es gab aber keinen Einreisestempel, den wuerden wir in Cobija in der Immigration ohne Probleme bekommen. Ausschnitt aus dem Gespraech:
Ich: "Wieviele Einwohner hat Chivé?"
Sherif: "Viele.. so ungefaehr 30 Familien!"
...
Ich: "Kommen viele Touristen hierhin?"
Sherif: "Oja, viele! vor 2 Wochen erst waren Amerikaner hier!"
Also man merkt, hier wird mit anderen Einheiten gemessen.
Wir haben dann noch lecker gegessen (40 Eurocent fuer ein Glas Saft, Reis, Huehnchenschenkel und Platano!).
Als es dunkel wurde merkten wir, dass es keine Elektrizitaet gab, nur das "Restaurant" hatte einen Generator und Fernseher. Das ganze Dorf kam um Fernsehn zu schaun, es liefen schreckliche Telenovelas, in Deutschland kann man sich davon keine Vorstellung machen, was wirklich kitschig und falsch und schlecht ist ;-). Naja war auf jedenfall ganz lustig, das ganze Dorf fiebert mit ob Juan die boese,reiche Virginia zum Ball einlaed oder ob er die arme aber gute Esmeralda letztendlich doch vorzieht und dann heiratet!
Als wir etwas gehirngewaschen unter dem Dach (das Restaurant hatte keine Waende) hervorgetreten sind musste ich erstmal stehenbleiben.. Ich habe noch nie einen solchen Sternenhimmel gesehn so unendlich riesig mit so unendlich vielen Sternen, unglaublich! Dazu der Dschungelsound. Super!
Ich hatte zum Glueck eine Taschenlampe dabei und so fanden wir dann zwischen den ganzen wilden Hunden sicher in unsere Herberge zurueck. Ich habe gedacht, dass es eine Dusche geben wuerde (hatten wir ja seit 4 Tagen nicht). Falschgedacht. Es gab nur einen Brunnen weiter unten. Dort sind wir hingegangen und haben uns notduerftig gewachen. Nach dem Aufstieg waren wir aber so verschwitzt wie vorher =)
Nach fast wunderbarem Schlaf (ich wurde aufgeweckt dadurch, dass jemand durch die Ritzen des Zimmers geschaut hat, und ich hatte das nachts immerwiederkehrende Gefuehl bzw. den Traum, auf dem Wasser zu sein, das Bett ist das Boot) haben wir dann natuerlich auch verschlafen und sind um halb 9 aufgewacht. Schnell alles zusammengepackt und zur "Strasse" gerannt. Der Bus stand immernoch da, wir sind in Suedamerika. Nach einer halben Stunde gings dann los, nach 4 Stunden Dschungelfahrt mit diesen Flussueberquerungen:
bus_auf_floss.jpg
Unten gehts weiter mit dem Eintrag:

Posted by cosmocrat 09:44 Archived in Bolivia Tagged backpacking

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